Effi Briest. Erzähltheatersolo [UA]

von Karin Eppler nach Theodor Fontane

Wie wichtig ist die Meinung anderer und welche Rolle spielt der gesellschaftliche Status? In welchem Verhältnis stehen die eigenen Bedürfnisse und Gefühle dazu und welchen Raum wagt man ihnen– trotz offensichtlicher Widersprüche – einzuräumen? Gibt es Umstände, die eine Lüge moralisch vertretbar machen?

In Fontanes Klassiker heiratet die junge, temperamentvolle Effi aus gesellschaftlichen Überlegungen den wesentlich älteren und auf Sittenstrenge bedachten Baron von Instetten, der sie wie ein Kind behandelt. Aus dieser sie in Langeweile erstickenden Verbindung erscheint ihr Major von Crampas, bei dem sie endlich sie selbst sein darf, wie eine Rettung, allerdings eine, die sie wegen ihrer Ehe natürlich nie wirklich ergreifen darf. Als sie sich dennoch näher kommen, wird die moralisch bis dahin völlig unbescholtene Effi in tiefste Konflikte gestürzt.
Da erscheint der Umzug nach Berlin als Befreiung und Neuanfang. Doch Geert von Instetten deckt die Affäre, ohne genau zu wissen, ob es das wirklich war, Jahre später durch einen Zufall auf, erschießt Crampas im Duell und trennt sich von Effi, die damit auch keinen Kontakt mehr zu ihrer Tochter haben darf und der obendrein als Ehebrecherin ihr geliebtes Elternhaus verschlossen wird.

In dieser ganz eigenen, auf eine Schauspielerin zugespitzten Erzähltheaterversion wird der Fokus auf die Jagd nach Status, die noch heute Menschen dazu bringt, selbst ihre Nächsten zurückzustoßen und die Frage nach der eigenen moralischen Unbescholtenheit gelegt. Der schwankende Grat zwischen der Persönlichkeitsentfaltung unter dem wertenden Blick der Gesellschaft wird intensiv und unmittelbar erlebbar.

Regie/Ausstattung/Textfassung: Karin Eppler
Kostüm: Chrysi Taoussanis, Ingrid Fetka
Mit: Chrysi Taoussanis

Premiere am 26. Januar 2012 - Auftakt des 2. MONOSPEKTAKELS / Spitalhof

Dauer: ca. 80 Min. (keine Pause)

Eine Produktion, die Fontanes Geschichte in einem mitreißenden Erzählstrom ausbreitet. — GEA, 28.01.12