Monospektakel Juryentscheidung

Das achte Monospektakel des Tonne-Theaters ist an diesem Sonntag, 04.02., mit der letzten Vorstellung »Name: Sophie Scholl« zu Ende gegangen. Damit kam die große und schwere Aufgabe auf die fünfköpfige Zuschauerjury zu, aus den sieben in zwei Wochen gesehenen Solo-Stücken nach ausführlicher Beratung gemeinsam das Beste auszuwählen. Es liegt schon in der Natur der Sache, dass das eine große Herausforderung ist, wurden doch bewusst Produktionen eingeladen, deren Inszenierungen, Stoffe und Spielformen sich möglichst stark unterscheiden, um im Rahmen des Festivals eine abwechslungsreiche Bandbreite von Monologen präsentieren zu können.

Relativ schnell kristallisierten sich bei der intensiven Beratung zwei Favoriten heraus, denn noch vor der letzten Vorstellung schien der Sieger quasi schon festzustehen. Doch dann überholte Nina Mercedés Rühl mit »Name: Sophie Scholl« den bis dahin eindeutigen Favoriten »Ein Kuss« und wurde mit 13 von 15 möglichen Punkten Siegerin (jedes Jurymitgleid, vergab 3 Punkte an seinen Sieger, 2 an den zweiten und einen Punkt an den dritten). Als Begründung ihrer Entscheidung hob die Jury besonders hervor, dass in diesem Stück auf geschickte Weise ein aktueller Loyalitätskonflikt mit der Biografie von Sophie Scholl verquickt wurde, die ebenfalls eine wichtige Rolle spielte. Dabei wäre auch die historische Persönlichkeit nicht nur auf ihrem Sockel als Widerstandskämpferin dargestellt worden, sondern auch als unbeschwertes junges Mädchen gezeigt, die in ihren Anfängen als Jungmädel noch begeistert die Fahne schwenkte bis sie das Unrecht erkannte und sich tatkräftig mit ihrem Engagement bei der Weißen Rose für andere Werte als die staatlich propagierten einsetzte und dafür auch bis zuletzt einstand – auch oder gerade im Wissen darum, dass das ihren viel zu frühen Tod bedeuten würde. Gleichzeitig wurde über den Konflikt der gleichnamigen Jurastudentin das sehr aktuelle Thema Korruption beleuchtet. So sei diese Produktion durch diese eng miteinander verwobenen Ebenen letztlich vielschichtiger als der mit 11 Punkten zweitplatzierte „Kuss“; in dem es um die Biografie des Malers Antonio Ligabue ging. Das Spiel mit den beiden Ebenen und damit auch starken Wechsel der Emotionen faszinierte bei »Name: Sophie Scholl« besonders, auch das Bühnenbild kam sehr gut an.

Bei »Der Kuss« wurde noch die Intensität der Emotionen herausgestellt, der Umgang mit dem Anderssein und die zeichnerischen Qualitäten, da der Schauspieler, Marco Michel während des Stücks beeindruckende und sehr stimmige Zeichnungen erstellte.

Etwas abgeschlagen auf dem dritten Platz landete »Das Leben ist gut«, wobei gut ankam, dass es in diesem Stück viel zu lachen gab.

Insgesamt zogen die Jurymitglieder nach dieser durchaus auch anstrengenden Zeit mit sieben Vorstellungen in knapp zwei Wochen sehr positiv Bilanz – und dabei gab es sogar einige unter ihnen, die sich für Solo-Stücke zuvor nie interessiert hätten, sie bis dahin eher für langweilig gehalten hatten und nie freiwillig ausgesucht hätten, ein Monolog-Stück anzusehen. Nun aber hat sie die Faszination des Solo-Stücks mit seiner intensiven Konzentration auf eine Person, die den ganzen Abend allein zu stemmen hat, gepackt. Sie zeigten sich beeindruckt von den schauspielerischen Leistungen, den großen Unterschieden in der Umsetzung wie der Vielschichtigkeit der Themen. Solcherart hat sich der Monolog bei ihnen in dieser (dann wiederum doch kurzen) Zeit zum Suchtfaktor entwickelt und sie fürchten nun das Loch nach Ende des Festivals, denn auch, wenn es jeweils einen Sieger zu küren gilt, waren doch alle Stücke auf ihre Art beeindruckend.

Nina Mercédes Rühl, die auch in der Tonne-Produktion »Von Weimar bis Merkel« mitwirkt, konnte den Preis, die eigens von der Ausstatterin Mihaela Gadzheva-Nedelcheva gefertigte Tonnella, direkt in Empfang nehmen und freute sich, zusammen mit ihrer Regisseurin Stephanie Rolser über die Auszeichnung, zumal ihr selbst diese Produktion ganz besonders wichtig ist.

 

Auf dem Bild die Jury mit den Prämierten: Astrid Gilch-Messerer, Hans-Albrecht Krause, Claudia Ender, Nina Mercedés Rühl (prämierte Schauspielerin mit der Tonnella), Stephanie Rolser (Regisseurin von »Name: Sophie Scholl«), Reinhard Glatzel, und Wolfgang Rätz.

 

Monospektakel-Jury

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