REUTLINGER NACHRICHTEN

von KATRIN KIPP

... Eric van der Zwaag gibt damit sein Tonne-Debüt, eingerichtet hat den poetischen und vielgeschichtigen Monolog Enrico Urbanek, der auch das Schiffsklavier besorgt hat, das zwischen den Bodengittern recht schief in den Seilen hängt. Das aber wie auf wundersame Weise selbst spielen kann (Musikeinspielung: Clemens Wittel). So kann sich Eric van der Zwaag ganz aufs Singen und Erzählen konzentrieren, das er mit aller Leidenschaft, sehr plastisch und fast zu viel des Guten in der Dosierung auch tut und abei ein wenig zu hohe Wellen schlägt. Mit wehenden Fahnen und großen

Gesten erzählt er Novecentos Geschichte und wechselt dabei von einer zur anderen Rolle der Mitwirkenden, (und lässt dabei durchaus auch etwas von seinem Können durchblitzen). Mit den anderen Musikern spielt er deren Instrumente - a cappella versteht sich. Den Ziehvater, einen Matrosen, gibt Zwaag mit viel Augenrollen, malmendem Gebiss und tiefer Stimme, und den Kapitän mimt er als einen hamburgisch herumbrüllenden Hitler, der selbst seinen Erzähler zum Lachen bringt.

Auf Zwaags Kahn geht’s also recht lärmig und schrill zu, mit ein wenig zu viel Effekthascherei, und ein bisschen zu wenig Poesie. Vor allem am Anfang, der sich mit einer ewig langen Herleitung der Gründe, weshalb das Findelkind nun "Danny Boodman TD Lemon" heißen soll, etwas hinzieht, wechselt Eric van der Zwaag ständig zwischen Erzähler und Entertainer hin und her und wirkt dabei ziemlich aufgekratzt.

Damit sorgt er aber auch für reichlich Action auf dem Dampfer: Er plaudert mit dem Publikum, tanzt, singt, umgarnt das Klavier, stampft orkanartig mit den Füßen und übergibt sich dabei beinahe, krallt sich am Klavier fest oder entlockt ihm schreiend ein Echo, balanciert bei seinem "Tanz mit dem Ozean" auf dem Klavierhocker und erzählt, warum Novecento das Schiff nicht verlassen muss: Die Welt und die Geschichten kommen ja zu ihm.

Erst im Duell mit dem Jazzpianisten Morton vom Festland, den Novecento ziemlich cool auflaufen lässt, kommt ein wenig Spannung ins Geschehen und Entspannung ins Spiel, die Sprache und die Musik gewinnen schließlich so viel an Wärme, dass sich Novecento an seinem Klavier sogar eine Kippe anzünden kann.

–14. Oktober 2006

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