MANNHEIMER MORGEN


»Sex´n`Drugs« im Bunker

Theaterstück aus Reutlingen im Oktagon

Der »Kulturm« - Cafe, Bar und Ort vielfältiger Kultur - debütierte nun auch als Spielstätte zeitgenössischen Theaters. Open Air, bei bestem Wetter führte das Reutlinger Theater »Die Tonne« das Einpersonenstück »Sex Drugs Rock & Roll« von Eric Bogosian auf. Das musische Multitalent Heiner Kondschak verkörperte in zehn Monologen Männer mit intensiven und exzessiven Lebenserfahrungen. Was ist aus den glühenden Anhängern des Rock 'n' Roll und ihren Idealen geworden? Das ist die Leitfrage, die sich durch alle Szenen zieht und die von den Charakteren so gar nicht eindeutig beantwortet wird.

Erste deutsche Inszenierung
Das am Broadway und in Europa sehr erfolgreiche und 1991 mit Autor und Schauspieler Bogosian verfilmte Stück wird vom Reutlinger Theater erstmals in deutscher Sprache inszeniert. Regisseur Enrico Urbanek bemühte sich eigens um die Rechte und fand mit Heiner Kondschak den geeigneten Darsteller.
Erfolgreicher Geschäftsmann, etablierter Rockmusiker oder die gescheiterte Existenz am Bahnhof, Kondschak haucht jeder Figur tragikomische Lebensenergie ein und infiziert im virtuosen Rollenwechsel das Publikum mit existenziellen Fragen. Die ewige Suche nach der großen Freiheit und der Verwirklichung der Träume, der Wunsch nach Erfolg und Anerkennung und doch auch nach dem Besonderen, dem Individuellen, die Angst vor dem massiver werdenden Einfluss von Computern und vor Umweltverschmutzung sind die Themen dieser mehr oder weniger schrägen Typen. Dabei verblassen direkte Bezüge zu den 1960er und 1970er Jahren. Es offenbart sich die gegenwartsbezogene Orientierungs- und Haltsuche des modernen Hedonismus.

Weitere Gastspiele möglich
Wer mit den Begriffen des Titels was anfangen kann und Gelegenheit findet, Reutlingen zu besuchen: unbedingt ansehen. Für Ludwigshafen stehen noch keine Termine fest, aber das Experiment anlässlich des Ludwigshafener Kultursommers sei zweifelsfrei gelungen, so Bernd Albert vom »Kulturm«, sodass weiteren Gastspielen und Inszenierungen nichts im Wege stehen. hhz

– 30. Juli 2009


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