Siegreiche Verteidigungsrede eines Alleinunterhalters beim Monospektakel

Solotheaterfestival - Der letzte Beitrag »Der Heiler« mit Joachim Ruczynski holt den Siegertitel im Tonne-Monospektakel

 

 REUTLINGEN. Am Ende holte sich der allerletzte Beitrag die Trophäe. Als Schauspieler Joachim Ruczynski mit Oliver Bukowskis Stück »Der Heiler« am Sonntagabend die Tonne-Spielstätte Planie 22 bespielte, setzte er den Schlusspunkt an das eineinhalbwöchige Solotheaterfestival »Monospektakel« – und räumte auch gleich noch den Hauptpreis ab.

 

Die aus Theaterfans gebildete Jury befand, der Schauspieler vom Landestheater Detmold habe unter den sieben Beiträgen des Festivals den besten Eindruck hinterlassen – er darf eine »Tonnella« mit nach Hause nehmen, eine Figur, die aus einer früheren Inszenierung von Jean Genets Stück »Die Zofen« hervorgegangen ist.

 

Gewonnen hatte Ruczynski mit einem Stück zwischen Krimi, Psychodrama und Generalabrechnung mit einem Berufsstand. In der Rolle des prominenten Psychotherapeuten Prof. Dr. Matthes Grebenhoeve hat er das Problem am Hals, dass man ihn nackt neben einer toten Patientin gefunden hat. Seine Verteidigungsrede stellt die Frage, ob es nicht vielleicht die Welt mit ihrer sinnfreien Kommunikation ist, die verrückt ist. Es war bereits das siebte Monospektakel-Solofestival des Theaters Reutlingen Die Tonne. Wie üblich hatte die Jury sofort im Anschluss an die letzte Vorstellung getagt.

 

Schwere Aufgabe der Jury

Zu denen, die die schwere Aufgabe hatten, aus den sieben ganz unterschiedlichen Produktionen einen Sieger zu küren, gehörten Thomas Lambeck, Rainer Hanko, Christoph Hoffmann-Kuhnt, Jana Riedel, Lena Hilf und Seyyah Inal. Nach langer, intensiver Diskussion wurde die Siegerproduktion in dem direkt zuvor gesehenen »Heiler« ermittelt.

 

Dafür sprach nach Aussage der Jury zum einen die Beurteilung der schauspielerischen Leistung, die laut Jury sehr authentisch, bildhaft und »in die Wirklichkeit gesetzt« wirkte, so dass man die Situation sehr klar vor Augen hatte. Daneben wurde besonders auch die Opulenz der ganzen Inszenierung hervorgehoben, die mit dem aufwändigem Bühnenbild, genialer Lichtführung mit intensiver Wirkung und tollen, symbolträchtigen Requisiten überzeugte. Retardierende ruhige Momente wurden dabei als positiv hervorgehoben wie auch die authentische Umsetzung des Stoffs. Somit konnte Ruczynski zusammen mit der Crew feiern, zu der auch Regisseurin Jessica Sonia Cremer gehörte.

 

Mit dem zweiten Platz auf dem Podium tat sich die Jury schwer, weil sich ein Patt aus vier gleichermaßen gut beurteilten Produktionen ergab. So konnte über die weitere Reihenfolge letztlich keine Entscheidung getroffen werden. Insgesamt sprach diese Schwierigkeit aber auch für die ähnlich hohe Qualität der eingeladenen Produktionen, die eine Bewertung erschwerte.

 

Insgesamt, so die Jurymitglieder, sei es eine anstrengende, fordernde Aufgabe gewesen, die aber viel Spaß gemacht habe. Es seien großartige Veranstaltungen gewesen, mit einem breitem Spektrum an Stücken, die sehr viele gute Aspekte beigetragen hätten.

 

 

»Der Heiler« aus Detmold siegt beim Monospektakel-Treffen

von Otto Paul Burkhardt

REUTLINGER NACHRICHTEN, 31.01.2017

 

Wurde unter sieben Bewerbern beim Solofestival Monospektakel von der Jury zum Gewinner gekürt: »Der Heiler« von Oliver Bukowski, eine Inszenierung des Landestheaters Detmold, gespielt von Joachim Ruczynski.

 

Ausschlaggebend waren viele Punkte: auch die Opulenz der Produktion, das Bühnenbild, das Licht – aber vor allem die authentische schauspielerische Leistung von Joachim Ruczynski: Sieger beim nunmehr siebten Monospektakel, dem Solofestival des Tonne-Theaters, wurde der Beitrag des Landestheaters Detmold – Oliver Bukowskis »Der Heiler«.

 

Von den sieben zur Auswahl stehenden Gastspielen bei Monospektakel bestritt der »Der Heiler« das Finale jetzt am Sonntagabend. Danach hatte die sechsköpfige Jury zu entscheiden – keine leichte Aufgabe für Thomas Lambeck, Rainer Hanko, Christoph Hoffmann-Kuhnt, Jana Riedel, Lena Hilf und Seyyah Inal.

 

»Nach langer intensiver Diskussion«, so vermeldet die Dramaturgin Karen Schultze, entschied sich die Jury für den Detmolder Beitrag »Der Heiler«. Dafür sprach zum einen die Beurteilung der schauspielerischen Leistung, die laut Jury »sehr authentisch, bildhaft« und »in die Wirklichkeit gesetzt« wirkte, so dass man die Situation sehr klar vor Augen hatte.

 

Daneben, so Schultze, hob die Jury besonders auch »die Opulenz« der Inszenierung hervor, die mit dem »aufwändigen Bühnenbild«, »genialer Lichtführung« mit intensiver Wirkung und »tollen, symbolträchtigen Requisiten« überzeugte. Positiv erwähnten die Juroren auch «retardierende ruhige Momente« wie auch »die authentische Umsetzung des Stoffs«. Die beim Monospektakel-Festival zu gewinnende Trophäe, die »Tonnella«, konnte somit dem Schauspieler Joachim Ruczynski noch vor Ort überreicht werden. Der Sieg der Detmolder Produktion wurde dann zusammen mit der Crew, zu der auch Regisseurin Jessica Sonia Cremer zählte, gefeiert. Schwer tat sich die Jury mit dem zweiten Platz. Denn es hatte sich »ein Patt aus vier gleichermaßen auf den zweiten Platz gesetzten Produktionen« ergeben. So wurde über die weitere Reihenfolge keine wirkliche Entscheidung getroffen. Doch diese Schwierigkeit, so Schultze, sprach aber auch für »die ähnlich hohe Qualität der eingeladenen Produktionen«, die eine Bewertung erschwerte.

 

In einem weiteren Punkt war sich die Jury dann aber einig: Die Sichtung der insgesamt sieben Produktionen des zweiwöchigen Festivals sei »eine anstrengende, fordernde Aufgabe« gewesen, die aber auch »viel Spaß« gemacht habe. Besonders beeindruckend sei wieder das »breite Spektrum« gewesen.

 

Alle Monospektakel-Gewinner bisher

Hier die bisherigen Gewinner beim Festival Monospektakel der Tonne auf einen Blick:

⬛ 2011 »Mit dem Kopf schlage ich Nägel in den Boden« von Eric Bogosian mit Tom Gerber (Karlsruhe);

⬛ 2012 »Effi Briest« nach Theodor Fontane, Bühnenfassung mit Chrysi Taoussanis (Reutlingen);

⬛ 2013 »Braveheart« mit Bernhard Dechant (Wien);

⬛ 2014 »Das Houdini-Gen« mit Felix Knopp (Hamburg);

⬛ 2015 »Ben X« mit Jonas Vietzke (Hannover);

⬛ 2016 »Drink.Think.Love – Platons Gastmahl« mit Michael Ransburg (Stuttgart);

⬛ 2017 »Der Heiler« mit Joachim Ryczinski (Detmold).

 

Ein-Personen-Stücke Bis 2012 gab es auch am Theaterdiscounter Berlin ein Festival der Monologe. Derzeit aber dürfte das Tonne-Monospektakel bundesweit einmalig sein.

 

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